Predigt an Ostern 2014 - Apostelgeschichte 10,36-43

Apostelgeschichte 10, 36-43

36 Er hat das Wort dem Volk Israel gesandt und Frieden verkündigt durch Jesus Christus, welcher ist Herr über alle. 37 Ihr wisst, was in ganz Judäa geschehen ist, angefangen von Galiläa nach der Taufe, die Johannes predigte, 38 wie Gott Jesus von Nazareth gesalbt hat mit Heiligem Geist und Kraft; der ist umhergezogen und hat Gutes getan und alle gesund gemacht, die in der Gewalt des Teufels waren, denn Gott war mit ihm. 39 Und wir sind Zeugen für alles, was er getan hat im jüdischen Land und in Jerusalem. Den haben sie an das Holz gehängt und getötet. 40 Den hat Gott auferweckt am dritten Tag und hat ihn erscheinen lassen, 41 nicht dem ganzen Volk, sondern uns, den von Gott vorher erwählten Zeugen, die wir mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er auferstanden war von den Toten. 42 Und er hat uns geboten, dem Volk zu predigen und zu bezeugen, dass er von Gott bestimmt ist zum Richter der Lebenden und der Toten. 43 Von diesem bezeugen alle Propheten, dass durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen sollen.

 

Liebe Brüder und Schwestern,

Ostern, das Fest der Auferstehung Jesu Christi ist für uns Christen ein wichtiger Feiertag. Am heutigen Morgen feiern wir die Auferstehung unseres Herrn. Wir feiern die leibliche Auferstehung Jesu. Oder noch einfacher: Wir feiern Jesu Sieg über den Tod.

Schaut man sich in den Wochen vor Ostern in den Geschäften und Läden um, dann findet man wenig von diesem österlichen Glauben. Natürlich, man kann Eier aus sämtlichen denkbaren Materialien und Geschmacksrichtungen kaufen. Das Ei ist ein altes Symbol für die Auferstehung. Aber ich vermute, dass es den meisten Konsumenten eher darum geht, dass die Eier farblich abgestimmt ist, sie aus Nougat sind oder mit einer leckeren rosa Zuckercreme gefüllt sind. Wahrscheinlich denken da die wenigsten automatisch an die Auferstehung Jesu Christi. Ich habe doch eher den Eindruck, dass Ostern aus Sicht der Werbeindustrie eine Subventionsveranstaltung für die Schokoladen- und Kitsch-Industrie ist. Zu den Eiern gesellt sich dann auch noch gerne der Osterhase, der angeblich die Eier bemalt und dann irgendwo versteckt. Die einseitige Konzentration auf Zuckerware leistet dann auch einen Beitrag zur allgemeinen Verwässerung des Sinns von Ostern. Fragt man die Leute außerhalb unseres Gemeinde- oder Kirchengartens nach dem österlichen Sinn, erntet man oft nicht viel mehr als ein Schulterzucken, oder man erhält ein Puzzle aus Weihnachten, Ostern und Pfingsten als Erklärung.

Im heutigen Predigttext treten wir mitten in eine Szene zwischen Petrus und Kornelius. Derjenige der spricht ist Petrus und Kornelius, ein römischer Hauptmann und Statthalter von Kapernaum, hört ihm aufmerksam zu. Was Petrus in unserem Text zu Kornelius sagt, kann uns als Grundlage dienen, um Unwissenden und neugierigen Menschen den Sinn von Ostern und dem Christsein überhaupt zu erklären. Der Predigttext ist mitten aus dem Kontext gerissen, deshalb ist es sinnvoll, wenn wir erst einmal kurz zurückblenden, um zu verstehen, wie es überhaupt zu diesem Dialog zwischen Petrus und Kornelius kam.

Kornelius ist ein frommer und gottesfürchtiger Mann, der vom jüdischen Gottesglauben und der Ethik Israels sehr angetan war. Er war ein betender Mensch, der sich an Gebetszeiten hielt und spendete dem jüdischen Volk Almosen. Kornelius ist ein Engel erschienen, der ihm aufgetragen hat, Petrus zu sich zu holen. Petrus wiederum hatte eine Vision, dass er das Evangelium auch Heiden predigen sollte, nicht nur wie bis anhin den Juden.

Petrus spricht in unserem Text zu diesem Kornelius und ist gerade dabei, ihm die Basics des Christentums zusammenzufassen. Petrus spricht nicht allein zu Kornelius, sondern wir können davon ausgehen, dass nicht nur der Römer zuhörte, sondern auch sein ganzer Haushalt, also alle Familienmitglieder, Verwandte und alle Sklaven.

Petrus fängt damit an, dass er klipp und klar sagt: Jesus ist der Herr über alle. In der damaligen Zeit und sozialem Umfeld, wo man die Welt in jüdisch und heidnisch einteilte, hatte so eine Aussage Sprengkraft. Jesus ist der Herr über alle! Jesus ist der Herr über die Juden, die Heiden, die Griechen, die Römer... Über alle. Diese Szene ist eine wichtige Schlüsselstelle im Neuen Testament, denn sie begründet die Heidenmission, also die eigentliche Weltmission. Das Evangelium wurde fortan allen Menschen verkündet, nicht nur dem auserwählten Volk. Die Botschaft ging an Menschen wie Du und ich. Denn die Aussage „Jesus ist der Herr über alle“ ist zeitlos und gilt auch heute noch. Jesus ist auch unser Herr. Er ist Dein Herr und er ist mein Herr.

Petrus fährt dann weiter und gibt eine kurze Zusammenfassung über Jesu Leben wider. Er fängt bei Jesu Taufe durch Johannes im Jordan an und macht deutlich, dass Jesus von Gott gesandt wurde und ihm den Heiligen Geist und die nötige Kraft verliehen hatte. Petrus spricht von Jesus, der geheilt und befreit hat, der Wunder getan hat. Er hätte auch einen einfachen Reisebericht über Jesu Erlebnisse in Galiläa geben können, er hätte etwas über seinen sozialen Status oder über sein Outfit sagen können. Oder er hätte sagen können, dass Jesus einer war, der sich über vieles tiefe Gedanken gemacht hatte. Oder dass Jesus ein guter Lifestyle-Berater gewesen sei. Aber Petrus hat gemerkt, was die Zuhörer brauchten, nämlich keine Oberflächlichkeiten und allgemeine Seelen-Wellness, sondern das, was wir alle auch benötigen: Heilung, Befreiung und Erneuerung unseres Lebens. Dazu benötigen wir alle Hilfe. Gott hat uns Jesus Christus als Helfer gesandt. Jesus ist Gottes Geschenk an uns, das wir annehmen dürfen. Einfach so. Jesus kam nicht zu uns, um einen zornigen Gott durch seine guten Taten zu besänftigen, sondern Jesu Kommen ist ein Zeichen der unendlichen Liebe Gottes zu uns.

Petrus erzählt von der Kreuzigung und dem Tod Jesu. Das steht im Text ganz nüchtern in einem Satz „Den haben sie an das Holz gehängt und getötet.“ Das klingt sehr nüchtern, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Petrus, als einer der Apostel, die sehr nah mit Jesus zusammen gelebt haben, diesen Satz ohne Gemütsbewegung sagen konnte. Eine Kreuzigung ist etwas Schreckliches und lässt niemanden kalt. Jeder gläubige Christ erschauert doch innerlich mindestens an Karfreitag, wenn er daran erinnert wird, wie grausam Jesus sterben musste.

Petrus fährt weiter und erzählt von der Auferstehung. Gott hat Jesus von den Toten auferweckt, er hat ihn auferstehen lassen. Alles Böse, was Menschen zu tun imstande waren, hat Jesus durch die Auferstehung besiegt, er hat sogar den Tod besiegt. Gott hat ganz mächtig eingegriffen. Einen ganz wichtigen Stellenwert nehmen im Text die Zeugen der Auferstehung ein. Petrus beschreibt sie als von Gott vorherbestimmt, also von Gott erwählt. Petrus war ja auch einer der Zeugen der Auferstehung, wie auch die anderen Apostel (außer Judas Ischariot). Maria Magdalena war Zeugin, andere Frauen, Thomas, Paulus, Jünger. Zeuge der Auferstehung zu sein heißt, dass man Jesus leibhaftig wahrgenommen, gesehen, berührt hat. Im Text ist das auch beschrieben, denn es steht geschrieben, dass die Zeugen zusammen mit dem Auferstandenen gegessen und getrunken haben. Ich weiß, die leibhaftige Auferstehung wird gerne und oft angezweifelt. Aber wie soll man denn bitte mit einem Astralleib, mit einer geistigen Projektion oder mit einem bis zur Unkenntlichkeit reduzierten „Bild“ oder „Symbol“ essen und trinken? Nein, Jesus ist leibhaftig auferstanden. Jesus Christus hat den Tod besiegt. Nicht nur theoretisch, sondern sehr praktisch.

Jesus hat diesen Zeugen einen klaren Auftrag gegeben. Sie sollen predigen und sie sollen bezeugen „dass er von Gott bestimmt ist zum Richter der Lebenden und der Toten.“ Und zum Schluss bringt es Petrus für Kornelius und alle anderen auf den Punkt: Das alles hat Jesus auf sich genommen für Dich, er ist für Dich und für alle anderen am Kreuz gestorben zur Vergebung deiner und aller Sünden. Die Menschen, die sich durch Sünde von Gott entfernt hatten und haben, können durch Jesus Christus wieder in die Nähe Gottes gerückt werden, die unterbrochene Beziehung der Menschen zu Gott kann wieder zusammengeflickt werden. Gott vergibt durch Jesus Christus uns Menschen die Sünden!

Liebe Schwestern, liebe Brüder, das hat Petrus zu Kornelius und seinen Leuten gesagt. Ich kenne wenige Menschen, die diese Kernbotschaft unseres christlichen Glaubens in derart komprimierter Form an jemanden weitergeben, der noch ganz am Anfang eines (christlichen) Glaubensweges steht. Leider endet der Predigttext an dieser Stelle. Interessant wäre natürlich zu wissen, wie denn Kornelius und die anderen Zuhörer und Zuhörerinnen darauf reagiert haben und wie die Geschichte weiter gegangen ist. Um das herauszufinden, muss man einfach die Bibel aufschlagen und weiterlesen, ganz einfach. Ich könnte es Euch jetzt auch sagen, aber das werde ich nicht. Mir ist am heutigen Ostermorgen wichtiger diese Ansprache Petri auf uns wirken zu lassen und herauszufinden, wie diese bei uns selber ankommt. Wie wirken diese Basics aus Jesu Leben, diese Grundsätze unserer Religion, diese Kernaussagen des christlichen Glaubens auf uns? Ist es denkbar, dass wir jemandem, der uns nach der Bedeutung von Ostern fragt, so antworten, wie Petrus es getan hat? Ich glaube, das braucht doch ziemlichen Mut, oder? In einem christlichen oder kirchlichen Kontext von der Auferstehung zu erzählen ist sicher einfacher, als jemand wildfremden, mit dem wir gemeinsam im Supermarkt an der Kasse anstehen und der gerne von uns wissen möchte, was die Bedeutung von Ostern ist. Jemandem zu sagen: Jesus ist für deine Sünden gestorben! braucht auch Mut. Wer hört schon gerne etwas über die Sünde. Petrus war im Moment, als er Kornelius und den Seinen davon erzählte auch ganz mutig. Petrus war aber nicht von Anfang an mit diesem Mut ausgerüstet. Petrus ist durch eine ganz harte Lebensschule gegangen, bis er soweit war. Petrus war einer der ersten Juden, die von Jesus in seine Nachfolge berufen wurden und war Jesus bis zu seiner Verhaftung ganz nah. Er war der erste, der Jesus als Messias bezeichnete. Er war derjenige, der Jesus von seinem Weg ans Kreuz abbringen wollte. Petrus war der, der um sein Leben zu retten nicht sich, sondern Jesus verleugnete. Er wollte sich auch nicht von Jesus die Füße waschen lassen. Petrus war aber auch einer der ersten männlichen Zeugen der dem Auferstandenen begegnet ist. Und Petrus war der, dem Jesus sagte, dass er auf ihm, dem Fels, seine Kirche bauen werde und Petrus war der Missionar der Urgemeinde. Ja, Petrus hatte bereits ein bewegtes Leben hinter sich, als er zu Kornelius und seinem Haus sprach. Petrus war so überzeugt von seiner Mission und seiner Botschaft, dass er keine beschönigenden Worte benutzen musste. Er hatte an der Seite Jesu gelebt und ist durch die Höhen und Tiefen des Lebens gegangen, bis ihm gar nichts mehr anderes übrig blieb als zu bezeugen. Sein ganzes Leben war ein einziges Zeugnis. Und was ist mit uns? Sind wir auch Zeugen? Wie erklären wir jemandem mit dem wir gemeinsam in der Warteschlange stehen, was Ostern bedeutet? Gehören wir zu den Zeugen des Auferstandenen? Oder fühlen wir uns einfach hier in diesem Ostergottesdienst unter Gleichgesinnten wohl. Sonst hört hier keiner mit, außer denen, die mir hier gerade zuhören. Ich glaube, unser wahres Zeugnis offenbart sich nicht in der Kadenz unserer Gottesdienstbesuche, sondern es offenbart sich dort, wo wir als Zeugen des Auferstandenen auftreten. Mitten in unserem Alltag, wo wir auch in Situationen geraten können, in denen wir nach Jesus gefragt werden, wo und auf welche Art auch immer. In solchen Situationen sind wir aufgefordert und gefordert für Jesus Christus Zeugnis abzulegen. Das gelingt nicht immer, ich weiß. Wenn es misslingt, dann kann uns Petri Lebensgeschichte eine Hilfe sein. Er hat Jesus verleugnet und das nicht nur einmal. Was uns helfen kann ist Petri Erkenntnis, dass die Menschen Heilung, Befreiung und Erneuerung ihres Lebens brauchen. Wenn wir das selber erkannt und erfahren haben, dann können wir die Botschaft Jesu Christi, die Basics des Christentums auch aus vollem Herzen weitergeben. Nur, wenn wir das glauben und beherzigen, können wir seine Zeugen sein. Die Botschaft von Ostern, dass Jesus Christus von den Toten auferstanden ist, dass er den Tod besiegt hat, das ist nicht eine exklusive Botschaft an uns Christen. Die Botschaft ist für alle Menschen gedacht. Der Herr liebt nicht nur Christen. Er liebt alle Menschen. Der Herr Jesus Christus ist nicht nur für die Christen gestorben. Er ist für alle Menschen gestorben. Jesus Christus ist der Herr über alle!

 

Amen.