Predigt Palmsonntag Matthäus 28,1-10 (24.4.11, Königsfeld, Badische Landeskirche)

Matthäus 28,1-10

1 Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria von Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. 2 Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. 3 Seine Gestalt war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee. 4 Die Wachen aber erschraken aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot. 5 Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. 6 Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht die Stätte, wo er gelegen hat; 7 und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern, dass er auferstanden ist von den Toten. Und siehe, er wird vor euch hingehen nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt.8 Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen. 9 Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfassten seine Füße und fielen vor ihm nieder. 10 Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen: Dort werden sie mich sehen.


Liebe Schwestern, liebe Brüder,

Als ich noch ein kleines Kind war, war Ostern für mich der Tag, an dem man Ostereier und Osterhasen aus Schokolade suchte, als ich etwas grösser war schenkte man mir die Ostereier und Schokohasen direkt und verzichtete auf die Suche und da ich ein Scheidungskind bin – und das ist einer der wenigen Vorteile, die man als Scheidungskind hat - bekam ich von ganz vielen Seiten viele solcher Süssigkeiten. Ich habe auch relativ lange an den Osterhasen geglaubt.Ostern war für mich deshalb immer ein freudiger Tag. Gott, Jesus, Glaube, Kirche waren bei uns zu Hause alles keine Themen, deshalb hatte ich viele Jahre keine Vorstellung davon, was an Ostern überhaupt gefeiert wird. Ostern war für mich also ein jährliches, freudiges Ereignis und hatte für mich immer etwas mit Suchen und Finden zu tun.


Im Predigttext machen sich am Ostermorgen – nach der Sabbats- und Festtagsruhe - auch zwei Frauen – Maria Magdalena und Maria die Mutter des Jakobus und Joseph - auf die Suche. Sie hatten an Karfreitag miterleben müssen, wie der gefolterte, gegeisselte, verhöhnte und verspottete Jesus am Kreuz gestorben war. Sie und mit ihnen alle Jünger Jesu hatten an Karfreitag Jesus verloren. Er wurde ihnen genommen, getötet. Jesus der Hoffnungsträger für Veränderung war weg. Ein toter Jesus konnte nichts und niemanden mehr verändern. Alle mussten da ja zwangsläufig unter Schock gestanden haben. Diese beiden Frauen waren also unterwegs um Jesus zu suchen um ihn zu salben, um ihm damit ein ehrenvolles Begräbnis zu bereiten und um den Leichnam möglichst lange zu erhalten. Kurz bevor sie am Grab ankamen, bebte die Erde und zwar ziemlich gewaltig, es geschah nämlich ein grosses Erdbeben. Ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, wälzte den Stein, der das Grab verschlossen hielt, weg und setzte sich auf den Stein, wie ein Symbol dafür, dass die Macht des Himmels über die Macht der Erde gesiegt hat. Die Soldaten, die vor dem Grab Wache standen, das waren sicher keine schmächtigen Burschen, sondern eher verwegene Haudegen, denn für eine solch heikle Mission würde man keine Anfänger abkommandieren, sondern solche, die so schnell nichts umhaut. Und dann kommt der Engel des Herrn und sie fallen um wie die Fliegen, sie können sich noch nicht mal ansatzweise wehren, Gott schickt sie einfach in einen seligen Schlaf. Der Engel hat noch nicht mal etwas gesagt, sondern allein das Erscheinen, das Aufblitzen des Engels genügte, um die Soldaten auszuschalten. Die Frauen kamen dann ans Grab und sahen den Engel. Dieser sprach zu ihnen: „Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. 6 Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat.“ Fürchtet euch nicht! So fing auch der Weihnachtengel an zu reden, als er die Geburt Jesu ankündigte und mit „Fürchtet euch nicht!“ fängt auch der Osterengel seine Ankündigung von der Auferstehung Jesu an. Beide Male beim Anfang Jesu erstem Leben und beim Anfang seines zweiten Lebens werden Zweifelnde, Trauernde und Bekümmerte durch himmlische Boten überrascht, gestärkt und erfreut. Wir finden von beiden Ereignissen, weder vom Anfangspunkt des Lebens Jesu, noch seiner Auferstehung eine Beschreibung in der Heiligen Schrift. Über beiden Ereignissen liegt ein geheimnisvoller Schleier.

 

Jesus wurde auferweckt durch die Kraft des Höchsten, wie er durch die Kraft des Höchsten empfangen worden war. Der Engel an Ostern weist dann auch noch ausdrücklich darauf hin, dass Jesus es bereits prophezeit hatte, dass er auferstehen würde. Und die Tatsache, dass Jesus auferstanden ist, veränderte die ganze Situation der Menschheit und der gesamten Schöpfung. „Er ist nicht hier, er ist auferstanden“ ist die grossartigste Botschaft dieser Welt. Die Frauen werden eingeladen, sich das leere Grab und die Stelle anzusehen, wo er gelegen hatte. Nun lag er nicht mehr, das war Vergangenheit und ist vorbei. Dann erteilt der Engel Gottes den Frauen einen Auftrag, nämlich dass sie schnell hingehen sollen um den Jüngern zu berichten: Jesus ist von den Toten auferstanden! Der Engel drängt die Frauen, diese frohe Botschaft schnell zu verbreiten. Als erste sollen es Jesu Jünger hören, dieselben Jünger, die ihn verleugnet hatten und davongelaufen sind. Der Engel redet hier immer noch von „seinen Jüngern“, also von „Jesu Jüngern“, trotz allem, was die Jünger falsch gemacht hatten, trotz allem Verrat hält Gott hier treu zu ihnen. Die Jünger sollen aber nicht nur davon erfahren, dass Jesus von den Toten auferstanden ist, sondern der Engel sagt, dass Jesus vor ihnen hergehen werde, bis Galiläa, wo sie ihn sogar sehen werden. Sehen, den Auferstandenen…


Liebe Geschwister, was heisst denn das nun eigentlich, dieses „auferstanden“? Das ist ja etwas, was wir uns kaum vorstellen können, wie so etwas vor sich gehen könnte. Bei der Auferstehung ist es so, dass Jesus durch eine bestimmte Handlung Gottes – die wir weder beschreiben, noch erahnen können – in ein neues Leben gerufen wurde. Dabei hat Gott nicht den alten Körper Jesu benutzt, sondern er hat ihm einen neuen Leib gegeben. Die Auferstehung Jesu war der Beginn eines neuen Lebens mit einem neuen Leib, der allen irdischen Bedingungen entnommen ist, wobei aber die Persönlichkeit Jesu an die irdische Existenz anknüpft. Jesu Auferstehung ist also kein Fortleben als Geist oder Seele, sondern er ist körperlich auferstanden, er ist leibhaftig auferstanden.


Die Frauen, die im Gegensatz zu den starken Soldaten nicht umfielen, gingen nach den Worten des Engels ohne nachzufragen, ohne zu zweifeln „eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen.“ Wir können es wahrscheinlich nicht annähernd erahnen, durch welche Gefühlsbäder die Frauen an diesem Ostermorgen gingen. Von todtraurig bis himmelhochjauchzend war da wohl alles dabei. Alles was sie da noch machen konnten, war dem Engel zu gehorchen. Sie hätten ja nachfragen können, aber die Frauen vertrauten allein auf ihren Glauben. Furcht und Freude sind ja eigentlich Gegensätze, die nicht so ganz zusammengehen. Aber Furcht muss man hier als Ehrfurcht verstehen, also Ehrfurcht und grosse Freude. Die beiden Frauen hatten als erste erkannt, dass Jesus tatsächlich der Christus war und es nach seiner Auferstehung wieder ist. Die Frauen erkannten, dass der Tod Jesu einen tieferen Sinn für ihr Leben hatte. Nicht nur für ihr Leben, sondern für das Leben aller Menschen, die Jesus bis heute nachfolgen. Und das muss einen doch einfach mit grosser Freude erfüllen. Deshalb machten sich die Frauen nicht einfach nur auf, um die frohe Botschaft weiterzutragen, sondern sie rannten los, um den Jüngern davon zu berichten.


Und dann begegnete ihnen plötzlich Jesus, er ging auf die Frauen zu und grüsste sie. Und das erste was sie machen, als sie Jesus lebend wiedersehen, ist dass sie anbetend vor ihm niederfallen und seine Füsse umfassen. Liebe Schwestern, liebe Brüder, die Frauen umklammern Jesu Füsse, das bedeutet, dass er wirklich leibhaftig auferstanden ist, denn einen Geist oder eine Seele kann man nicht anfassen, aber einen Leib kann man berühren, kann man fassen, ist fassbar. Der Herr ist leibhaftig auferstanden, der Herr ist wahrhaftig auferstanden! Jesus wiederholt dann noch einmal den Auftrag, des Engels. Er sagt: „Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen: Dort werden sie mich sehen.“ Auf den ersten Blick scheint es derselbe Auftrag zu sein, aber etwas ist anders. Etwas ganz wesentliches: Jesus sagt nämlich zu den Frauen: sie sollen zu „seinen Brüdern“ hingehen. Der Engel hatte gesagt, sie sollen zu „Jesu Jüngern“ hingehen und von seiner Auferstehung berichten.  Diese neue Bezeichnung „Brüder“ für die Jünger, die ihn zuvor ja verleugnet und davongelaufen waren, wurde einzig und allein dadurch möglich, dass der Heiland zuvor den Sühnetod am Kreuz gestorben war. Jesus ist zur Vergebung der Schuld dieser Jünger am Kreuz gestorben. Jesus ist zur Vergebung unserer Schuld am Kreuz gestorben. Die Anrede Brüder weist weit hinaus, nämlich auf die endzeitliche Vollendung. Denn dann werden wir „gleich sein dem Ebenbild“ des Sohnes Gottes. Dies gilt nicht nur für die Brüder, dies gilt auch für alle Schwestern. Und vielleicht gewinnt durch diese Worte die Anrede unter uns als „Brüder und Schwestern“ auch wieder eine neue, vielleicht eine bewusstere Qualität.


Liebe Geschwister, Ostern hat also nicht primär damit zu tun, Ostereier und Süssigkeiten zu suchen und dem Osterhasen hinterherzujagen. Das habe ich, als ich älter wurde, dann auch irgendwann herausgefunden. Ich habe mich auf meine persönliche Suche nach Jesus gemacht und er hat sich von mir finden lassen. Das war für mich das bedeutendste Ereignis meines ganzen Lebens, das mich und mein Leben komplett verändert hat. Und das war nur möglich, weil damals die Frauen, die Jesus suchten, das leere Grab fanden, dem Engel gehorchten. Das war nur möglich, weil Jesus diesen Frauen als Auferstandener begegnete und sie ihn berühren konnten. Es war nur möglich, weil diese verschreckten Frauen Ostern nicht als ihre Privatangelegenheit betrachteten, sondern weil sie das, was sie gesehen und erfahren hatten weitererzählten. Diesen Frauen quoll das Herz über und sie rannten los um es der Menschheit zu verkünden. Nun, wie sieht es denn mit unseren Herzen aus? Ich glaube, dass heute ein guter Tag ist, um uns wieder von dem innerlichen Brennen dieser Botschaft anstecken zu lassen. Heute können wir den Herrn bitten, unser Herz allein mit Seiner Gegenwart auszufüllen, damit wir wieder zu Zeugen seiner Auferstehung werden.


Heute, an Ostern feiern wir den Sieg unseres Heilands über den Tod und wir loben und preisen ihn, für das was er für uns durchlitten hat, den Tod am Kreuz zur Vergebung unserer Sünden, das ewige Lösegeld das er bezahlt hat, um uns das ewige Leben zu erkaufen. Dadurch dass er den Tod überwunden hat, haben auch wir den Tod überwunden. Am Ende unseres Lebens wird nicht das undendliche Nichts sein, sondern da wird der auferstandene Herr der erste sein, der uns in seinem Reich begrüsst. Wir leben alle nur einmal und das ewig. An Ostern feiern wir Jesus als unseren lebendigen Herrn. Unseren lebendigen Herrn kann man auch heute noch suchen er lässt sich auch heutzutage noch gerne finden. Amen.